Eltern sehen alles: Nanny-Cams in Amerika

Das erste Mal, dass ich von Nanny-Cams hörte, war in meinem ersten Jahr in Amerika. Das war 2010. Doch wie weit verbreitet diese Art von Überprüfung der Kinderbetreuung ist, wurde mir in meinem ersten Jahr als Neu-Mama bewusst.
“Natürlich hab ich eine Überwachungskamera!“, erwähnte damals meine Bekannte Jasmin fast nebenbei beim Kaffee trinken.  „Wer weiß, wie sie wirklich tickt. Und es geht hier ja nicht um meinen Hund,“ fügte sie hinzu und streichelte ihrer sechs Monate alter Tochter über den Kopf. Und ich war ehrlich gesagt ziemlich sprachlos.

Jasmin ist junge Mutter und arbeitet von zu Hause aus. Unter der Woche hat sie eine Nanny, die auf ihre Tochter aufpasst. Sie mag ihre Nanny, sagt, sie vertraut ihr. Aber scheinbar nicht blind. Denn Jasmin hat in ihrer Wohnung sogenannte „Nanny-Cams“ aufgestellt. Über eine App kann sie sich auch von unterwegs einloggen und schauen, was zu Hause passiert. Ob ihre Nanny das weiß, möchte ich wissen: „Keine Ahnung. Sie denkt es sich bestimmt“.

In Amerika ist diese Art von Überwachung legal. In manchen Staaten darf man zwar den Ton nicht aufnehmen; das Filmen in Räumen wie Küche, Wohnzimmer oder dem Kinderzimmer ist aber vollkommen rechtmäßig.
Legal bedeutet noch lange nicht, dass es richtig ist. Wie muss das für eine Nanny sein, der entweder mitgeteilt wird, dass das Haus videoüberwacht wird – oder noch krasser: wenn sie die heimlich versteckten Kameras im Haus ihres Arbeitgebers entdeckt. Die Botschaft: „Wir vertrauen Dir nicht.“ Doch, manchen Familien ist dieses Ausmaß erst einmal egal:
“Viele Eltern möchten einfach sicher gehen, dass die Betreuungsperson das eigene Kind gut behandelt und es sicher ist”,  sagt Marcia Hall, Geschäftsführerin von International Nanny Association (INA) . „ Es gibt aber auch Eltern, die einfach die kleinen schönen Momente ihrer Kinder mitbekommen möchten, auch wenn sie selbst nicht vor Ort sein können.“ Die INA lehnt aber generell sogenannte Nanny Cams ab: „Vertrauen ist das wichtigste in dieser Beziehung.“

„Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser“, sagt Jasmin – und diese Ansicht vertreten die meisten Eltern, die sich entschließen ihr Haus zu verkabeln und ihrer Nanny – und ihre Kinder mit  oder ohne Einverständnis beim Kochen, Füttern und Spielen zuzugucken.

Wie seht ihr das? Haltet ihr Nanny-Kameras für übertrieben oder könnt ihr Eltern verstehen, die sie installieren? Fallen Euch Ausnahmesituationen ein, in denen ihr eine Kamera gerechtfertigt findet?

 

10 thoughts on “Eltern sehen alles: Nanny-Cams in Amerika”

  1. Ich finde das ziemlich übertrieben. Liegt vielleicht auch daran das hier die Kinder in der KiTa betreut werden. Einen Babysitter haben wir nicht und wenn das der Fall wäre ist es ja nur mal ein paar Stunden und nixht regelmäßig um während der Zeit zu arbeiten.
    Ich finde es nicht ok der Nanny die Kameras vorzuenthalten. Von Vertrauen kann man da wohl nixht sprechen. Klar würde ich gerne manchmal in der KiTa Mäuschen spielen aber da muss ich mich wohl mit den Erzählungen von Kind und Erzieher begnügen.

  2. Ich halte nicht viel davon, denn ich denke Vertrauen gehört dazu, wenn man seine Kinder abgibt. Für die Beziehung zwischen Familie und Nanny (oder hier Kinderfrau) kann das nicht gut sein. Mir fällt keine Ausnahme ein, in der eine Kamera gerechtfertigt ist.

    1. Ja, es ist wirklich ein schwieriges Thema. Manche Eltern installieren solche Cams auch, wenn sie Zweifel haben, dass die Nanny nicht gut mit ihren Kindern umgeht. Nur aus Neugier: könntest Du das nachvollziehen?

  3. Als ich 2000 als Au Pair in die USA kam wurde uns schon im Einführungsseminar gesagt, dass es sein kann das unsere Gasteltern Nanny Cams installiert haben. Bei mir war es nicht so. Ich finde das ein schwieriges Thema. Wir haben nun selber ein Au Pair für unsere 4 Kinder. Die Großen frage ich regelmäßig, wie sie es so finden. Aber als der 2jährige letztens sagte, sie habe ihn geschubst war das schon komisch. Vertrauen ist natürlich toll, aber im Grunde ist die junge Frau erstmal eine Fremde, aus einer anderen Kultur auch noch. Natürlich haben wir keine Kameras, aber nachvollziehen kann ich das schon, vor allem bei Babys und kleinen Kindern. Es müsste aber Pflicht sein, es der Nanny mitzuteilen finde ich.

  4. Hey, ersteinmal finde ich toll dass du nun deinen eigenen Blog hast!ich lese so gerne deine Artikel. Bevor ich da meinen Senf zugebe, wollte ich mal fragen, was das für nannys sind! Würde die ausgebildet? Haben die einen Abschluss? Gibt es dort Nanny Agenturen oder werden die durch Vitamin B weiterempfohlen? Ich würde zum Beispiel niemanden mit meinen Kindern alleine lassen, wenn die keine Ausbildung in dem Bereich Kinderbetreuung haben.

    1. Das ist total unterschiedlich: es gibt nannys, die von Agenturen vermittelt werden, studierte Frauen, oder Nannys, die entweder keine Arbeitserlaubnis haben oder illegal im Land sind. Aus Erfahrung im Umfeld weiß ich: die „Qualität“ der Arbeitskraft ist tatsächlich von all den oben genannten Faktoren generell unabhängig…

  5. Finde es grundsätzlich nicht in Ordnung, wenn man gefilmt wird und nichts davon weiß. Habe früher selbst oft babygesittet und hätte nichts gegen eine Nannycam gehabt, damit auch mal die Eltern sehen wie sich ihre “Sprösslinge” benehmen 😉
    Bin gespannt wie ich/wir darüber denken, wenn wir selbst mal einen Babysitter brauchen.

    Ansonsten finde ich ist es ein seeeehr heikles Thema und immer wieder erstaunt zu sehen zu was Eltern in der Lage sind und was sie als normal ansehen.

    P.s finde es toll, dass du jetzt einen Blog machst.

  6. Hallo Elisabeth,

    ich finde es auch klasse, dass du nun einen Blog hast und uns an interessanten Themen über die USA teilhaben lässt.

    Ich persönlich halte nichts von einer Überwachung der Nannys via Videokamera. Generell halte ich wenig von einer Überwachung am Arbeitsplatz. Darüber hinaus ist eine lückenlose Überwachung ohnehin nicht möglich, z.B. wenn die Nanny mit dem Kind beim Einkaufen ist oder auf dem Spielplatz.

    Außerdem weiß ich nicht, wie sicher Videokameras sind und ob sie nicht leicht gehackt werden können. Dann kann man nicht nur von unterwegs den Umgang der Nanny mit seinem Kind checken, sondern eventuell wird dann auch noch das Haus ausgespäht.

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