„Ich dachte, Amerika sei eine Straße mit netten Reihenhäusern“

Melanie, 33, verheiratet, drei Kinder, erfolgreiche Unternehmerin. Vor 12 Jahren hat sie ihre Heimat und ihr Elternhaus nahe Kaiserslautern hinter sich gelassen und ist ihrem amerikanischen Mann Gabe gefolgt. Seitdem leben sie in USA. Durch den Job ihres Mannes sind sie in den vergangenen Jahren häufig umgezogen: Kalifornien, Michigan, Texas, Florida – und im Sommer geht es nach Colorado.

Melanies Geschichte ist unglaublich: vor ein paar Jahren hatte sie die Idee, ein Label zu gründen, das praktische und hochwertige Mama-Essentials anbietet: Milk Snob war geboren. Die junge Mutter erfand einen atmungsaktiven Sonnen-, und Sichtschutz für Babyschalen, der gleichzeitig zum Stilltuch umfunktioniert werden kann – eine echte Marktlücke! Das war 2014. Nicht mal vier Jahre später und nach erfolgreicher Teilnahme bei Start-Up-Show Shark Tank  (in Deutschland bekannt als „Die Höhle des Löwen“) findet man ihre Produkte überall, ob bei Target oder Amazon. Und die Erfolgsgeschichte von Milk Snob geht weiter: Disney kam im vergangenen Jahr auf die Deutsche zu und bot eine Zusammenarbeit an. Als nächstes möchte Melanie den kanadischen Markt erobern. Milk Snob hat die amerikanische Babyproduktebranche revolutioniert: ein „car seat-cover“ gilt hier in den USA als ein „Must-Have“ zur Baby-Erstausstattung – erfunden von Melanie aus Niederkirch bei Kaiserslautern.

Trefft Melanie, eine Auswandererin in Amerika

Melanie mit Mann Gabe, Tochter Josephine (14), Sohn Eli (9) und Nesthäkchen Quinn (2) (Foto: privat)

1. Erinnerst Du Dich noch an Deine ersten Eindrücke von Amerika?

“Wie offen die Leute hier sind und wie freundlich die hier sind. Und die unbegrenzte Möglichkeit, egal wann einkaufen zu gehen. Was für mich auch krass war: wie groß hier alles ist! Als ich hierher gezogen bin, dachte ich, dass Amerika so wie die „Bill Cosby Show“ ist. Ich dachte irgendwie, dass Amerika eine Straße ist, mit netten Reihenhäusern. Irgendwie hab ich mir das gar nicht so riesig vorstellt. Jeder Staat ist wirklich total anders.

2.Hat sich dieser Eindruck inzwischen geändert?

Obwohl man sich dran gewöhnt hat,  ist es schon noch überwältigend, wie groß Amerika wirklich ist. Das hat auch meine Reiselust geweckt. Bis ich tot bin, würde ich gerne jeden Staat einmal gesehen haben.

3.Vervollständige diesen Satz: Die Amerikaner sind,…

„…nicht alle oberflächlich.“

4.Gibt es den amerikanschen Traum und wenn ja, wie sieht der aus?

Ja, ich glaube schon. Viele von meinen Freunden und auch meine Familie sagen: „Wow, you are living the American Dream“. Hier in Amerika ist es wirklich noch möglich, seinen Traum zu verwirklichen. Wenn man hier eine Vision hat, hart arbeitet und richtig mit Leidenschaft dabei ist, kann man alles erreichen.

Und die Leute hier feiern auch den Erfolg vom anderen. Wenn ich denen von meiner Geschichte erzähle, dann feiern die das richtig.

5.Was liebst Du an Amerika?

Dass es viel lockerer ist. Das Leben ist entspannter und unkomplizierter.

6.Was vermisst Du an Deutschland?

Den Alltag mit meiner Familie, zu meiner Oma zu fahren, mit denen ein Eis zu essen. An dem Land Deutschland vermisse ich eigentlich nichts.

7. Gibt es etwas, was Dir hier auf die Nerven geht?

Wenn man mit jemandem etwas ausmacht, dann kann es gut sein, dass derjenige sich nicht mehr meldet. Das hat wahrscheinlich auch damit zu tun, dass die hier alle lockerer sind. Aber das nervt mich manchmal.

8.Deutsche haben oft ein bestimmtes Bild von Land und Leuten hier. Mit welchem USA-Klischee würdest Du gerne ein für alle Mal aufräumen?

Das beste Beispiel ist: als ich in Texas gewohnt habe, kam meine Freundin aus Deutschland zu Besuch und meinte: „Total krass! Ich hab hier jetzt noch niemanden gesehen, der eine Waffe trägt!“. Ich glaube, viele Deutsche denken echt, dass hier jeder mit ner Schusswaffe rumläuft, wie so ein Cowboy.

Auch die Oberflächlichkeit, von der alle Deutschen reden: hier wird halt einfach mehr Small-Talk gehalten. Die Josephine (Melanies älteste Tochter) konnte sich schon mit 12 Jahren mit Erwachsenen unterhalten und mit denen einfach netten Small-Talk halten.

9. Du bist mit einem Amerikaner verheiratet… Wo knirscht es in einer deutsch-amerikanischen Ehe?

Das kann man gar nicht so sagen, weil ja auch jeder anders ist. Aber was wirklich schwierig ist, dass man ja ganz anders aufgewachsen ist und aus einer ganz anderen Kultur kommt.

Als ich damals ausgewandert bin, hab ich mich ja für die Liebe entschieden. Es war wirklich schwer, die Familie zurückzulassen. Und da hatte ich am Anfang stark Heimweh und habe Gabe dafür verantwortlich gemacht, dass ich aus Deutschland weg musste. Das Herz hat man eben noch in der Heimat und man lebt am Anfang zwischen zwei Welten. Und da braucht man einen Partner, der einen wirklich liebt, unterstützt und einem Kraft gibt. Bis man selbst entschieden hat, dass man 100 Prozent hier ist. Wenn man zwischen den Welten lebt,  geht – glaube ich – irgendwann die Beziehung kaputt.

10.Wenn Du Dich entscheiden müsstest: Deutschland oder Amerika?

Ich will einfach, dass die Familie zusammen ist. Wenn meine Eltern alle hierher kämen, würde ich hier bleiben. Mein Traum ist, dass meine ganze Familie wieder vereint wäre. Aber wenn ich mich entscheiden müsste, dann glaube ich, würde ich mich für Amerika entscheiden. Einfach, weil ich mich so an die Art der Amerikaner gewöhnt hab und ich mittlerweile glaube, dass mich die deutsche Art ein bisschen depressiv machen würde (lacht). Dass man nicht ausleben kann, wie man wirklich ist. Wenn ich mit meinen Freunden in Deutschland über meine Geschichte rede, kann ich darüber nicht so sprechen wie hier. Es gibt nur zwei Freundinnen in Deutschland, die wirklich davon wissen. Hier ist es einfach anders, hier finden es alle cool!

11.Du bist jung, Mutter von drei Kindern und hast beruflich schon Unglaubliches vollbracht. Was sind Deine neuen Träume?

Ich möchte viel reisen, auch mit meinen Kindern! Ich muss echt sagen: Reist mit Euren Kindern! Auch wenn es für ein paar Stunden einfach nur schrecklich ist für alle Beteiligten. Das ist einfach so. Ich möchte, dass meine Kinder alles sehen.

Und ich hätte gerne ein Pferd und eigentlich einen Mini-Bauernhof. Mein Mann ist aber eher so „the opposite of Minibauernhof“.  Also müssen wir uns da irgendwie einigen. Ich hätte einfach gerne ein einfaches Leben. Ich hab mit so vielen Leuten zu tun, die sehr, sehr viel Geld haben. Und dieses raushängen lassen mag ich überhaupt nicht. Ich möchte einfach ganz normal leben, die Natur genießen, wandern gehen. Und dazu gehört, dass wir ein Haus bauen.

Melanie in der Show „Shark Tank“ 2016 (Foto: privat)

3 thoughts on “„Ich dachte, Amerika sei eine Straße mit netten Reihenhäusern“”

  1. Tolle Serie, die du dir überlegt hast! Bin gespannt, wer noch folgen wird.
    Folge Melanie übrigens, dank dir, auch seit ein paar Wochen. Herrlich! – sag ich nur!

    1. Richtig toll Deine Serie. In vielen Sachen stimme ich mit Mekanie überein. Die Menschen hier sind so herzlich und freuen sich auch für deine Erfolge egal wie groß oder klein sie sind .
      Und träume zur Wirklichkeit machen das geht hier wirklich mit Mut viel Arbeit und eine Vision wie Melanie schon sagt:) Ganz
      Viel Glück noch

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