Von Sex, Wahlkampf und Schweigegeld – Der Fall “Stormy Daniels”

Ein Mann betrügt seine Frau nur wenige Monate nach der Geburt ihres Kindes.  Moralisch verwerflich? Mag sein, doch erst einmal ist dies eine rein private Angelegenheit, die nur die beteiligten Personen etwas angeht.

Dies gilt auch, wenn dieser Mann inzwischen Präsident der Vereinigten Staaten ist. Ob der Präsident seine Frau betrogen hat – oder betrügt, geht die Öffentlichkeit erstmal nichts an.

Doch, wenn Stichworte fallen wie „Wahlkampfgeld“ oder „Wahlbeeinflussung“, kann diese unangenehme Geschichte dann zu einer politischen Affäre – und zum berechtigten Interesse der Öffentlichkeit werden.
Seit Monaten diskutiert Amerika über eine Affaire, die ein Jahrzehnt zurück liegt. Die angebliche Liäson zwischen dem damaligen Immoblienmogul Donald Trump und dem Pornostar „Stormy Daniels“.

Worum es geht? Hier das Wichtigste.

Die Pornodarstellerin Stephanie Clifford „Stormy Daniels“ behauptet, sie habe im Jahr 2006 eine Affäre mit Donald Trump gehabt. Im November 2016, gut zwei Wochen vor der Präsidentschaftswahl Trump vs. Clinton zahlte ihr Trumps Anwalt Michael Cohen 130.000 Dollar Schweigegeld  – und sie unterschrieb eine Schweigevereinbarung. Trotzdem packt sie nun aus. Ihr Anwalt sagt, dass dies möglich sei, da Trump diese Vereinbarung nicht persönlich unterschrieben habe.

Die große Frage, die im Raum steht ist nicht, ob es die Affäre nun gab oder nicht, sondern: aus welchen Kassen das Schweigegeld gezahlt wurde. Und vor allem: handelte Cohen in Auftrag von Donald Trump?

Wenn Trump kurz vor der Wahl den Auftrag erteilt hat, wäre es eine „koordinierte und illegale Sachleistung, mit dem Ziel, die Wahlen zu beeinflussen. Zugunsten des Kandidaten Trumps, indem die Sache geheim gehalten werden sollte“, so Trevor Potter, ehemaliger Vorsitzender der Bundeswahlkomission in den USA in einem TV-Interview.

Trumps Anwalt Cohen erklärt bisher, er habe das Geld aus eigener Tasche gezahlt, Wahlkampfgelder seien nicht geflossen. Niemand habe ihm das Geld zurückgezahlt.

Und Donald Trump behauptete in den vergangenen Wochen immer, es gab nie eine Affaire und bekräftigte, dass er nie etwas von irgendwelchen Zahlungen wusste.

Vergangene Woche dann lässt Trumps neuer Anwalt Rudy Giuliani eine Bombe platzen. Er erzählt in einem TV-Interview, Cohen habe die 130.000 Dollar über mehrere Monate von Donald Trump zurückgezahlt bekommen. Wahlkampfgelder habe er dafür aber nicht verwendet. Und weiter sagt er, dass Trump zwar von Abmachungen Cohens mit Stormy Daniels wusste, allerdings keine Einzelheiten kannte. (In diesem TIMES-Artikel lest ihr mehr)

Diese Aussagen widersprachen klar dem, was Trump in der Vergangenheit immer sagte: dass er nichts von den Schweigegeldszahlungen wusste.

Einen Tag später, am 3. Mai bestätigt Trump in seinen Tweets erstmals, dass er Cohen tatsächlich das Geld zurück erstattet habe, in Form von „Anwaltskosten“. Parteigeld sei aber nicht geflossen.
Diese Zahlung gilt juristisch als äußerst brisant: sollte nachgewiesen werden, dass sie wenige Tage vor der Wahl getätigt wurde, um mögliche negative Schlagzeilen zu vermeiden, hätte dies als Wahlkampfspende aufgeführt werden müssen. Da dies nicht geschah, steht der Verdacht von illegalen Wahlkampffinanzierungen im Raum.

Sollte sich dieser Verdacht erhärten, wird es ernst für Donald Trump. Dann ist er wohlmöglich eben nicht nur ein Mann, der seine Frau betrog – sondern der Präsident der Vereinigten Staaten, der über die Affäre zu einer Pornodarstellerin politisch fällt.

 

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