Die Welt ist ihr Zuhause: eine deutsch-amerikanische Familie on the road

Dass sich zwei Menschen finden und verlieben, ist immer ein großer Zufall – und ein noch größeres Glück. Die Wege von Jessy aus Berlin und ihrem amerikanischen Mann Chris hätten sich wohl nie gekreuzt, wenn es das Internet nicht gegeben hätte. Mitten in der Nacht ging Jessy im Jahr 2006 auf eine Dating-Website und fing an, mit Chris zu schreiben. Sie in Deutschland, er tausende Kilometer entfernt. Ein ganzes Jahr und unzählige Nachrichten später dann der Moment, der das Leben der beiden für immer verändert: Das erste Treffen – das Erhaschen des ersten Blicks, mitten auf dem wuseligen Würzburger Hauptbahnhof.  Ein Ort des Aufbruchs und Ankommens, von hier sind schon viele Reisen gestartet – und wohl kaum ein passenderer Ort für das Paar, das sich dem Weltenbummeln verschrieben hat.

Hier beginnt also die gemeinsame Lebens-REISE von Jessy und Chris Piskai. Es folgt ein Jahr Fernbeziehung USA-Deutschland. Dann endlich schafft Chris es, mit der US-Armee nach Deutschland  zu kommen. Sie ziehen nach Regensburg.  Jessy studiert Romanistik und Medienwissenschaften in Dresden- und arbeitet nebenbei als Producer Assistentin am Set von „Verliebt in Berlin“. Nach vier gemeinsamen Jahren in Deutschland sagt sie „Ja“ zu Chris und damit ja zu einem Leben „on the go“. Sie lässt ihre Familie, ihre Freunde und Heimat hinter sich und folgt ihm für ein Jahr nach Amerika: Kansas City. Von dort planen sie ihre Hochzeit in Deutschland – ein Fest, das nicht nur zwei Menschen und ihre Familien verbinden soll, sondern auch zwei Kulturen, zwei Sprachen, zwei Welten.

Der Morgen nach der Hochzeit ist für Jessy und Chris buchstäblich der Aufbruch in ein neues Leben.  Die beiden steigen ins Flugzeug – es geht nach Südkorea. In einem Dorf nördlich von Seoul leben sie bis 2015. Die Deutsche ist mit ihrem kleinem Hund Einstein die Attraktion: „Im Fahrstuhl habe ich es oft erlebt, dass die Tür aufging, die Leute mich anschauten und dann lieber auf den nächsten Fahrstuhl gewartet haben. Ich, blond und blaue Augen – und dann auch noch ein Hund dabei… Hunde kannten die meisten damals eher als Nutztier – und nicht als ein Tier, das bei einem im Haus lebt. Viele hatten damals ganz einfach Angst vor Hunden”, erinnert sich Jessy.
Da Jessy über das Visum ihres Mannes eingereist ist, darf sie kein Geld verdienen. Sie bietet für amerikanische Touristen kostenlos Touren durch Südkoreas Untergrundmärkte an; in einem Heim für alleinerziehende Mütter unterrichtet sie Englisch. 2014 wird Jessy schwanger mit Tochter Lily (3). Für die Familie und Freunde im fernen Deutschland fängt sie an, ein Schwangerschaftstagebuch auf YouTube zu führen. „Ich wusste damals ehrlich gesagt nicht, dass man mit Youtube auch Geld verdienen kann. YouTube war für mich eine Plattform, wo ich tolle Tutorials geschaut habe.“  Auch nach ihrem Umzug aus Südkorea nach Texas vlogt die liebenswerte Deutsche weiter.

Weltenbummler: Chris und Jessy mit Lily (3) und Violet (1)

Heute, vier Jahre später und ein Kontinent weiter, verfolgen 68.000 Menschen das Leben der inzwischen vierköpfigen Familie, die derzeit in San Antonio, Texas lebt. Sie nehmen die Zuschauer mit auf ihre vielen Reisen durch Amerika oder nach Europa. Ob ganz normaler Alltag, Gedanken, die die 34-Jährige beschäftigen, oder gar die unglaubliche Geburt der zweiten Tochter Letty im Auto auf einen Highway! Die Piskais sind immer für eine Überraschung gut. Übermorgen geht es wieder auf Reise, nein, auf Weltreise, für knapp ein Jahr: „Auch mit seinen Kindern kann man viel zusammen erleben (…) Anstatt ein Buch darüber zu lesen und zu lernen, erleben wir diese Dinge mit Lily und Violet zusammen.“

Trefft Jessy aus Berlin: Mama, Youtuber, Vielreisende, und Autorin (ja, Jessy schreibt gerade an einem Buch!) – ihr findet sie hier auf YouTube und  Instagram 

1.Erinnerst Du Dich noch an  Deine ersten Eindrücke vom Leben hier in Amerika waren?

Bei mir war der erste Eindruck San Francisco. Das war einmalig. Ich dachte: Wahnsinn! Alle so gesund, machen viel Sport, die Menschen waren draußen am Hafen… Es kommt wirklich drauf an in welchem Staat Du bist. Bei mir war es eben Kalifornien und dann auch noch Großstadt. Die USA sind so groß, da ist fast jeder Staat wie ein eigenes Land.

2.Haben sich diese Eindrücke verändert?

Als wir dann zum ersten Mal in Kansas City oder Texas gelandet sind, hat es sich schon verändert. Da war mein Eindruck vor allem, dass viele es so bequem mögen. Alle Läden haben quasi immer geöffnet. Die jungen Leute treffen sich an den Tankstellenshops, weil man hier ja unter 21 Jahren nicht in eine Bar darf. Da dachte ich immer: haben die alle kein zu Hause? Was machen die hier. Ich wusste nicht so richtig, was ich davon halten sollte. Aber, als wir aus Südkorea hier her zogen und abends landeten, habe ich das doch schätzen gelernt. Mit einem 11-Monate alten Baby sind wir dann erstmal in die Läden gegangen und konnten uns so das nötigste besorgen. Das war irgendwie surreal, aber gut.

3.Vervollständige diesen Satz: „Die Amerikaner sind,

…oft freundlich. Gerade hier in Texas oder Kansas…“

4. Gibt es den amerikanschen Traum und wenn ja, wie sieht der aus?

„Es gibt ihn, aber nicht mehr so wie  vor 20 Jahren in den 90ern. Mittlerweile ist es hier schon viel schwieriger, wobei es im Vergleich zu Deutschland immer noch möglich ist. Hier in Amerika ist alles doch flexibler. Du kannst hier ja schon im Grundstudium was komplett anderes studieren, als dann im Master. Das ist in Deutschland viel regider. Und es kommt natürlich auch drauf an, woher Du kommst. Mexikaner, die es über die Grenze geschafft haben, wollen ein sicheres Land. Das finden sie hier.

Warum glaubst Du, ist es schwieriger geworden, den amerikanischen Traum zu leben?

„Dass es immer schwieriger wird, es hier zu schaffen liegt daran, dass die Welt sich so verändert hat. Internet, Globalisierung… hier in Amerika regieren die großen Konzerne alles. Die gleiche Firma, die meinen Kaffee gemacht hat, den ich jeden Morgen trinke, stellt auch meine Windeln her usw. Das mag ich wirklich nicht an Amerika: es ist für die Kleinen somit unglaublich schwer, etwas hinzubekommen…

Ich glaube aber, dass sich das ändern wird, das wir dahin wieder zurückkommen. Stichwort „Me-Preneur“.  Vielleicht nicht für uns, aber für die Generation unserer Kinder.“

5.Was liebst Du an Amerika?

„Die kulturelle Vielfalt. Zwar haben wir gerade einen Präsidenten, der das anders sieht… aber das ist an Amerika schon einmalig.“

6.Was vermisst Du an Deutschland?

„Bäckereien! Wir haben in Regensburg direkt über einerBäckerei gewohnt… Das vermisse ich so! Aber auch Kaffee-, und Kuchenzeit, Weihnachtsmärkte, Wochenmärkte,… generell das ganze Leben, das draußen stattfindet: Schaufenster bummeln, spazieren gehen und einen Eisbecher essen. Hier, zumindest hier in Texas, wird alles mit dem Auto gemacht.“

7.Gibt es etwas, was Dir hier auf die Nerven geht?

„Der Konsum. Ich gehe auch gerne einkaufen, aber hier ist es so extrem. So funktioniert ja Apple auch. Die bringen das iPhone 8 raus, und wissen aber schon genau, wie das iPhone X gebaut ist. Das kommt dann kurze Zeit später auf den Markt – und alle brauchen das neuste. Natürlich, in großen Städten wie San Francisco gibt es auch anders Denkende… aber generell, dieses Wegwerfen und neu kaufen. Ich sage immer zu Lily wenn etwas kaputt geht: Wie können wir das reparieren? Lily liebt Barbies. Wir haben ihr bisher noch keine einzige gekauft, sondern sie spielt mit meinen aus dem Jahr 1995.
Und was mich hier auch stört ist diese „political correctness“, also das bestimmte Themen, Tabuthemen, einfach nicht angesprochen werden dürfen. Beispielsweise macht eine Freundin von mir abends einen Wein auf und sagt vorher: „wir reden aber nicht über Politik, oder Religion,…“ Und da frage ich mich: wie soll dann überhaupt ein Dialog entstehen? Nur so lernen wir doch, nur so kommt man weiter.“

Girls-Gang: Die beiden Mädchen sind das viele Reisen gewöhnt. Übermorgen gehts für knapp ein Jahr auf Weltreise.

8. Deutsche haben oft ein bestimmtes Bild von Land und Leute hier. Mit welchem Klischee würdest Du gerne ein für alle Mal aufräumen?

„Dass die Amerikaner oberflächlich sind. Wenn ich an der Kasse stehe und 20 Minuten warte und in der Schlange eine Frau mit tollen Schuhen steht – dann kann ich doch mit der reden. Niemand erwartet, das wir beste Freunde werden. Aber ich mach mir den Moment schön, und den Moment des anderen Menschen!“

…und gibt es eventuell ein Klischee, was sich bewahrheitet hat?

„Es ist hier zum Teil schon extrem: Entweder ist man Fitness-Model oder übergewichtig. Dieses europäische Mittelmaß gibt es hier gar nicht.“

9. Du bist mit einem Amerikaner verheiratet.  Wo knirscht es in einer deutsch-amerikanischen  Ehe?

„An der Kommunikation. Wobei man da ja zwischen verschiedenen Ebenen unterscheiden muss. Es gibt die Ebene „Mann-Frau“ und dann die Ebene der verschiedenen Muttersprachen. Ich glaube, wir sind wohl die einzigen die sich streiten, obwohl wir eigentlich das gleiche sagen. Dann diskutieren wir und irgendwann sagt einer: „Aber Schatz, wir meinen doch genau das gleiche!!“

10. Wenn Du Dich entscheiden müsstest: Deutschland oder Amerika?

“Wenn es um die Vielfalt des Landes und die Möglichkeiten geht… ist Amerika schon toll. Vom Grand Canyon bis zu den Orkawalen. Es gibt hier wirklich eine unglaubliche Vielfalt. Und auch die Tatsache, dass hier „Extrawünsche“ viel mehr toleriert wird. Hier sagen häufig welche zu mir: „Oh cool, you invented your own job!“ oder auch die Idee von „Homeschooling“. Das wäre für uns in den ersten Jahren eventuell auch eine Option. Also, was ich sagen will: man kann sich sein Leben hier eher zusammenbasteln.
Aber in Deutschland fehlt mir eben meine Familie, einfache Dinge wie spazieren gehen… Also, wir haben uns noch nicht entschieden…“

11. Übermorgen geht Eure Reise los! Fast ein Jahr seid ihr dann unterwegs. Erzähl doch mal wohin es geht:
„Erstmal geht nach Yellowstone (Anm. Nationalpark in Wyoming und Montana, USA), dann Thailand und nach Europa. Die Reise richtig planen werden wir von unterwegs. Das hängt auch von uns als Familie ab. Die Mädchen bestimmen das Tempo, wir sind da ganz easy-going.“

 

Danke, für dieses spannende Gespräch, liebe Jessy.

Wenn ihr die Reise der Familie verfolgen wollt, schaut bei Jessy vorbei  auf Instagram und YouTube 

 

3 thoughts on “Die Welt ist ihr Zuhause: eine deutsch-amerikanische Familie on the road”

  1. Hi Jessy,
    Jetzt hast du ja doch verraten in welche Länder es geht !! 😉
    LG Conny
    P.S Der Kommentar beweist dass ich so gut wie alles von dir lese 😉

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