Einmal Amerika und zurück: Deutscher TV-Star in Washington

Moment, das ist doch… Laura Osswald? (Ihr findet sie auf Instagram und auf Facebook )
So geht es wohl jedem Serienjunkie, wenn er auf den Straßen Washingtons plötzlich die Schauspielerin mit Tochter Karline (1) und Mann Krishan entdeckt. Die quirlige Münchnerin ist ein bekanntes TV-Gesicht: ob aus der Telenovela „Verliebt in Berlin“ – oder  „Doctors Diary“, in der sie das schöne Biest spielt: Krankenschwester Gabi, die Oberarzt Dr. Marc Meier für sich gewinnen möchte. Um Konkurrentin Gretchen auszubooten, greift sie zu sehr drastischen Mitteln.
Privat läuft es liebestechnisch Gott sei Dank deutlich besser: in einer Berliner Bar lernt Laura Krishan kennen und lieben. Beruflich folgen Rollen in Serien wie „Die Rosenheimcops“ oder „Alarm für Cobra 11“. 

2014 eröffnet sich eine tolle Karriereoption für Krishan – doch weit weg vom deutschen Schauspielzirkus, in Amerika: „Für mich war von Anfang an klar, dass ich mitkomme. Fernbeziehung war für uns beide keine Option.“ Sie hörten auf ihr Herz, organisierten innerhalb von vier Wochen eine Traumhochzeit in Berlin. Als Ehepaar flogen die beiden in ihre gemeinsame Zukunft in den USA. Am Anfang pendelt die sympathische 36-Jährige zwischen den Kontinenten, dreht weiterhin Serien – und wird 2015 schwanger mit Töchterchen Karline. Doch ihr Abenteuer Amerika ist nach 4 Jahren bald vorbei. Ende dieses Jahres kommt die kleine Familie mit Katze Milow zurück nach München!

Ich bin mit Laura befreundet. Diese Woche habe ich mich mit ihr zum Interview getroffen. Wie war das, als deutsche Schauspielerin nach Amerika zu ziehen?

„Ich glaube, dass ich mir das alles ein bisschen einfacher vorgestellt habe. Dachte, ich könnte beruflich einfach weitermachen. Aber das Filmgeschäft in Deutschland ist super schnelllebig. Da wird gefragt, ob Du morgen zum Casting kommen kannst. Ich hab hier keine Nanny, mit der ich hin-, und herfliegen kann – und wenn man mal durchrechnet, was Flüge von DC nach München oder Berlin kosten… dann machst Du das halt nicht. Schon gar nicht mit einem Kind…“

Ist das schlimm für Dich?

„Nein, das ist wirklich total okay für mich! Ich habe nicht das Gefühl, dass ich jetzt aus dem Business draußen bin. Ich habe nach wie vor gute Anfragen, die ich zwar momentan noch nicht wahrnehmen kann. Aber wir gehen ja Ende des Jahres nach München und da glaube ich schon, dass ich da relativ easy anknüpfen kann. Ich habe so viel gedreht und so viele plakative Serien gemacht, vielleicht ist es auch gar nicht schlecht, sich mal 2-3 Jahre zurückzuziehen. Man verbrennt sich ja auch, vor allem mit den täglichen Serien. Da ist es dann mal gut, eine Zeit weg von den Bildschirmen zu sein. Und, ich bin jetzt auch älter,  kann jetzt also auch andere Rollen spielen: Ich kann jetzt eine Mutter spielen – und man kauft es mir ab. Vor ein paar Jahren war ich entweder zu jung oder zu alt für bestimmte Rollen. Ich glaube jetzt bin ich in einem Alter, wo ich zwar keine reife Frau spielen kann, aber bestimmte Hauptrollen in einem Format.

Was waren Deine ersten Eindrücke von Amerika?

Ich war schon als Kind häufiger in den USA: mit meinen Eltern habe ich Florida bereist, da war ich 12, mit meiner Mutter war ich mit 15 in Chicago… Ich kann mich an nicht viel erinnern, außer dass die Amerikaner wirklich unfassbar kinderfreundlich sind – mehr als in Deutschland. Als Kind wird man immer angesprochen, man wird immer integriert. Man nervt nicht so als Kind, überspannt den Bogen nicht so schnell. Und das fällt mir jetzt auch mit meiner Tochter wieder auf. Wir waren ein paar Mal mit ihr in Berlin – die Leute  gehen einfach nicht so offen auf Kinder zu. Karline hat jedem zugewunken – da winkt niemand zurück. Hier in Amerika winkt jeder. Und zwar wirklich jeder: von 8 – 88 Jahren. Das ist einer der krassen Pro-Amerika-Punkte! Wenn man Kinder hat, sind die USA ein bisschen lebenswerter – in anderen Punkten würde ich definitiv Deutschland den Zuspruch geben. Aber was Kinderfreundlichkeit, Integration usw. angeht, sind die USA echt weit vorne.

Vervollständige diesen Satz: „Die Amerikaner sind…“

Sportlicher als ich dachte! Ich sehe in Deutschland morgens um 6 nicht so viele Leute joggen, wie hier in DC. Aber das muss auch an der Stadt liegen.

Gibt es den amerikanischen Traum und wenn ja, wie sieht er aus?

Ich gucke ja so gerne Shark Tank: es muss ihn geben! (lacht) Das läuft hier jeden Abend in Endlosschleife im Fernsehen und immer wenn ich nicht weiß, was ich machen soll, nachdem mein Kind im Bett ist, gucke ich Shark Tank und freu mich an den Karriereoptionen der anderen! Ich glaube schon, dass es den amerikanischen Traum gibt. Aber auf der anderen Seite gibt es hier leider sehr, sehr viel Armut. Es gibt hier viele Parks, wo so viele Obdachlose leben, unter jeder Brücke sind Zeltstädte. Egal wo man lang läuft, selbst in elitären Vierteln wie Georgetown sieht man auf den Straßen viele Heimatlose. Auch viele Ex-Soldaten! Man sieht hier auch wahnsinnig viel Menschen mit offensichtlich psychischen Problemen. Ich weiß nicht, woran das liegt. Vielleicht wird in Deutschland damit besser umgegangen und es gibt mehr Einrichtungen. Ich hab im Gefühl, in Deutschland wird sich besser um diese Menschen gekümmert.

Du bist unter Obama hier her gekommen, wie findest Du, hat sich das Land unter Trump verändert?

Ich finde hier in der Blase in der wir leben, bekommt man von dem Wandel nicht so viel mit. Man merkt nur, dass hier häufiger die Präsidentenkollonnen rumfahren. Scheinbar muss sich Trump mehr bewegen als sein Vorgänger. Er fliegt ja anscheinend auch öfter in den Urlaub als Obama. 

Ich merke aber über Social Media und meinen wachsenden amerikanischen Freundeskreis, dass Themen wie beispielsweise das Trennen von Familien an den Grenzen, viele bewegt. Hier in unserer privilegierten Blase merke ich direkt aber herzlich wenig davon. 

Es ist allerdings erstaunlich, wie groß die Negativstimmung ist. Ich bin in den letzten 15 Jahren häufig in Amerika gewesen und habe auch viele Freunde, die in den Staaten leben. Früher hat man nie so sehr über Politik geredet, weil es einfach nichts drüber zu reden gab. Jetzt finde ich, dass schon sehr viel darüber gesprochen wird. Ich glaube, den Leuten ist es auch ein bisschen unangenehm und sie fragen sich: „Wie muss der Blick der Welt auf uns sein?“Aber ich kenne mich politisch auch zu wenig aus, um da jetzt ne richtige eigene Meinung zu haben. Ich will mich jetzt nicht in einen Topf mit Nesseln setzen (Lacht).

Stichwort „Me, too“ -Debatte – wie verfolgst Du als Schauspielerin diese Diskussion bzw. hast Du während Deiner Karriere selbst negative Erfahrungen diesbezüglich gemacht? 

Als das alles losging, habe ich darüber nachgedacht, wie es mir in meinem Leben so ergangen ist und mir ist aufgefallen, dass ich das auch erlebt habe – aber es mir bis dahin eben gar nicht so bewusst war. Ich hatte das einfach so hingenommen. Das war in einer Zeit, wo ich echt noch jung war – sogar noch vor der Schauspielerei, während meiner Modelzeit. So mit 15-16 Jahren.  Ich bin jetzt nicht vergewaltigt worden oder sonst irgendwas. Es waren eher harmlosere Sachen.  Aber mir sind schon Leute näher gekommen, als es okay ist. Und man lässt das auch mehr zu, als man eigentlich sollte. Weil man denkt, es erhöht die Karrierechancen. Und damit meine ich jetzt nicht fummeln oder so. Ich meine: hier mal ne Umarmung, da ein „Lass uns noch was trinken gehen“.

Aber so mit 18, 19, 20 war ich so eine starke Persönlichkeit, dass ich mich so gewehrt hätte! Das wäre mir da dann nicht mehr passiert. Meine Eltern haben mich zu einer sehr selbstbewussten Person erzogen. Ich hab noch nie ein Blatt vor den Mund genommen.

Ich glaube, es hat echt viel mit Selbstbewusstsein zu tun. Da braucht es eine starke Familie, einen starken Freundeskreis und starke weibliche Vorbilder. Dass man weiß, man kann was sagen und man kann sich wehren, und: es ist nicht Deine eigene Schuld. 

Auf der anderen Seite finde ich aber auch, dass man diese Debatte auch übertreiben kann. Natürlich darf ich noch ein schönes Kleid und hohe Schuhe auf dem Roten Teppich tragen! Und selbst wenn ich nackt über den roten Teppich laufe: mich darf trotzdem keiner anfassen. Darum geht es doch eigentlich: dass ich als Frau machen kann, was ich will.

 

Der schillernden TV-Welt kehrte Laura Osswald für ein paar Jahre den Rücken zu. Nun zieht sie Ende des Jahres wieder nach Deutschland (Foto: Matthias David)

Was liebst Du an Amerika?

Man lernt so leicht Leute kennen. Es ist hier einfach nicht komisch zu sagen: Boah, ich finde Dein Kleid schön! Und so kann man eben ins Gespräch kommen. Ich glaube aber, dass es genau das ist, was die Deutschen als oberflächlich empfinden. Dem ist aber gar nicht so. Man kommt hier nur leichter ins Gespräch. Im Endeffekt findet man dann ja trotzdem die wenigen, mit denen man am Ende dann wirklich befreundet ist. Aber in Amerika hat man eben viel mehr Chancen Freunde zu finden, man ist hier nicht so isoliert. Man hat somit weniger Chancen depressiv zu werden. Das ist für mich keine Oberflächlichkeit, sondern eine lockere Art und Weise, mit einem Fremden umzugehen. Dann kann man sich ja immer noch überlegen, ob man mit demjenigen einen Kaffee trinken geht, oder nicht.

Und was gefällt Dir hier nicht so?

Lebensmittel sind wahnsinnig teuer. Ich mach hier keinen Eintopf unter $200 (lacht)! Wenn man versucht, einigermaßen gesund zu leben, ist es wirklich teuer. Essen gehen ist teuer; Hotels, haben einen schlechten Standard und sind wahnsinnig teuer. Flüge: teuer! Alles teuer! Außer Benzin und Autos – die sind mega günstig, aber eben auch umweltschädlich! 

Und wenn ein Amerikaner sagt: „Komm, wir treffen uns auf nen Drink“, dann weißt Du nie, ob Du Dich mit ihm wirklich auf nen Drink triffst. Hier ist alles so unverbindlich. Das ist für mich als Deutsche sehr schwer zu akzeptieren! Ich bin immer super pünktlich und wenn ich was ausmache, ist das in Stein gemeißelt. Das ist hier alles so optional. Daran muss ich mich immer noch gewöhnen, das nervt mich echt ein bisschen – das ist dann vielleicht auch die unangenehme Oberflächlichkeit.

Die Deutschen meinen die USA zu kennen. Selbst, wenn sie noch nie hier waren. Mit dem Klischee der Oberflächlichkeit hast Du aufgeräumt, aber gibt es auch ein Amerika-Klischee, das einfach stimmt?  

Ich hab noch nie in meinem Leben so viele Sportklamotten gekauft, die ich noch nie zum Sport an hatte, wie hier in Amerika (lacht). Also, das stimmt wirklich: Die Amerikaner lieben ihre „active wear“. You live in your active wear“ 

Wie gehts für Dich weiter?

Ich habe jetzt erstmal diesen immens fiesen Umzug vor mir. Da graut es mir vor! Es wird wieder mit Container umgezogen. Der absolute Horror. Ich seh mich jetzt schon weinend auf meinen leeren Esszimmerboden sitzen, weil mir alles zu viel wird. Ich hab auch schon meinem Mann gesagt: das läuft nicht ohne Tränen ab! So ein Umzug ist echt krass! Als wir hier hergezogen sind, war das schon der Wahnsinn. Aber jetzt haben wir noch ein Kind und ne Katze… 

Wir haben auch noch keine Wohnung… aber hey, es wird schon schief gehen! Also ja! Es geht nach Deutschland!! Ich hab gehört, dass die jetzt ne Oktoberfestserie drehen. Kann ich da bitte mitspielen? Das wär genau mein Ding! Ne historische Serie über das Oktoberfest. Ich bin im Dirndl geboren!! 

 

 

Vielen Dank für das Interview!

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