Meet the Expat-Partner-Coach

Wie diese Frau aus der Not eine Tugend machte und im Ausland ihre Berufung fand.

Katharina steht mit beiden Beinen im Leben, ist beruflich am Anfang einer vielversprechenden Karriere: „Als mein Mann dann von seinem Arbeitgeber ein Angebot in Chicago bekam, war für mich klar, dass ich dort auch arbeiten würde“.

Das Paar freute sich auf die Herausforderung, für beide war es ein Traum, eines Tages im Ausland zu leben und zu arbeiten – und es schien als würde sich genau das realisieren.
Katharina fand über ihr privates Netzwerk eine Firma, die ihr Job und Arbeitserlaubnis in Aussicht stellte. Doch es kam anders.
„Wir kamen im März 2017 nach Chicago, als ich noch auf meine Arbeitserlaubnis wartete. Dann, im Sommer kam der Anruf“. Umstrukturierungen innerhalb der Firma hießen für die gebürtige Offenburgerin: Job ade!

Sie begann, eine Bewerbung nach der anderen zu verschicken – doch es blieb erfolglos:
„Als Deutsche, die keinen Abschluss einer amerikanischen Uni hat, fällst Du oft schon im ersten Bewerbungsschritt raus.“ Und auch, wenn sie zu einem persönlichen Gespräch eingeladen wurde, die Angebote die ihr gemacht wurden: wenig reizvoll. „Ich war an dem Punkt, an dem ich mich fragte: möchte ich jetzt einfach nur irgendeinen Job damit ich einen Job habe – karrieretechnisch brachte mir das nämlich nichts.“
Sie fühlte sich allein gelassen, auch vom Arbeitgeber ihres Mannes gab es keine richtige Hilfestellung: „Zwar gibt es ein expat-package für den mitreisenden Partner, aber die Hilfe dort, bestand beispielsweise darin, meinen Lebenslauf ins Englische übersetzen zu lassen.“

1, 5 Millionen Frauen weltweit als Expat-Partner ohne Job

Die 32-Jährige begann im Internet zu recherchieren, suchte Expatgruppen und stellte fest, dass sie nicht alleine ist: 1,5 Millionen Frauen sind weltweit sogenannte Expat-Partner ohne Job. „Expat-Parnter“ ist der Teil eines Paares, der aufgrund des Jobs des Partners mit ins Ausland geht. „Das sind oft top ausgebildete Frauen und nur 20 Prozent von ihnen finden Arbeit.“
Doch warum sind es so viele Frauen, die die „Mitreisenden“ sind? „Das liegt ganz einfach an der Bereitschaft der Partner. Frauen bekommen auch häufig Jobangebote im Ausland. Doch es gibt eben noch viele Männer, die nicht bereit sind für den Job der Frau ins Ausland zu gehen.“

Auf der anderen Seite, fühlte sich Katharina doch alleine: „Im Internet gibt es viele Seiten für Expats mit Kindern, häufig entscheiden sich ja Paare bewusst dazu, im Ausland Kinder zu bekommen“. Aber für die ohne Kinder fand sie nichts. Sie begann, auf ihrer  Website  Informationen zusammenzutragen und die Geschichte von anderem Expat-Partnern zu teilen. Irgendwann wurde ihr klar: Das reicht noch nicht. Sie wollte Frauen in der gleichen Situation aktiv helfen: „Ich hätte mir so jemanden an meiner Seite gewünscht“.

Sie empfindet das Expatleben in der heutigen Zeit als interessantes Spannungsfeld: „Der Partner wird das erste Mal ins Ausland geschickt und man geht eben mit, aber oft folgt danach recht bald das nächste Angebot, wohlmöglich in einem anderen Land – so geht es dann 20 Jahre weiter. Auf der anderen Seite wollen heutzutage beide Partner arbeiten.“ 

Neue Berufung: Expat-Partner-Coach

Im März diesen Jahres begann sie eine Coaching-Ausbildung und seit ein paar Wochen berät sie ihre ersten Kunden. „Die Coachings laufen ganz individuell und unterschiedlich lang ab. Es geht zunächst einmal um die Frage: Was möchtest Du wirklich und was ist Dein Ziel?“ Und Katharina versucht als Coach die richtigen Fragen zu stellen: „Mein Ziel ist es eigentlich, dass mein Kunde am Ende seiner Zeit im Ausland vor seinem potentiellen Arbeitgeber sitzt und fröhlich sagen kann: Ja! Ich habe im Ausland gelebt und dies und jenes dort gemacht – und es war eine geile Zeit. Es ist eigentlich egal, was Du da antwortest, es geht um Deine Ausstrahlung und das Du mit dem, was Du in den Jahren gemacht hast, zufrieden bist.“

Coaching via FaceTime: Katharinas Kunden leben überall auf dem Globus

Zu häufig würden Expat-Partner das Gefühl haben, sich mit der Situation irgendwie arrangiert zu haben.

Doch die Expat-Partner-Trainerin sieht diesen Lebensabschnitt als großes Geschenk: „Wann sonst kann sich eine erwachsene Frau hinstellen und überlegen, was sie eigentlich wirklich tun möchte, was sie in ihrem Leben will. Dieses Hinterfragen ist doch ein unglaublicher Luxus.“

Wie es für Katharina und ihren Mann nach ihrer Amerika-Station weiter geht, ist ungewiss. Doch für die sympathische Wahl-Münchnerin kein Problem: „Vor einem Jahr hätte ich nicht gedacht, dass ich hier nun stehe und mich selbstständig gemacht habe“, ihr gehe es vor allem darum, in die Expat-Community eine andere, positive Denkweise reinzukriegen: „Weg von dem Expat-Partner-Stigma.“ 

Jedem Expat-Partner rät sie, Geduld zu haben und nicht einfach loszurennen, nur um etwas eigenes zu haben: „Viele kommen im Ausland an, haben das Haus eingerichtet, die Kinder sind in der Schule und denken dann, sie müssen schnell was für sich finden. Dabei ist es so wichtig, sich zu fragen: Was ist das denn? Seht die Zeit im Ausland als Geschenk.“ 

Falls ihr Interesse an Katharinas Arbeit als Expat-Coach habt, schaut auf ihrer Website oder auf Instagram vorbei.

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