But first, bread!

Sie wanderten in die USA aus und machten sich selbstständig. Wie eine deutsche Familie gutes Brot unter das amerikanische Volk bringen möchte

Monique und Sasha haben schon viel von der Welt gesehen: sie lebten in Dubai, Katar und der Schweiz, bevor es für sie wieder zurück nach München ging. Doch das Fernweh war nie gestillt.  Sie nahmen regelmäßig an der  Green Card Lottery teil.
Beim vierten Mal klappte es plötzlich: sie gewannen das große Los und damit die Chance ein neues Leben in Amerika aufzubauen.
Die Familie ware sich einig, dass sie diesen Schritt gehen möchte: „Zurückkommen nach Deutschland können wir immer“. Doch für Monique bedeutete dies auch, dass sie sowohl ihre Tätigkeit als Leadership Coach, als auch als Heilpraktikerin erstmal aufgeben musste: „Coaching klappt nur wirklich in Deiner Muttersprache. Das Abholen und Weiterbringen von Menschen gelingt Dir eben nur so richtig in Deiner eigenen Sprache.“

Das Ehepaar verkaufte ihr gesamtes Hab und Gut in Deutschland und buchten für sich und ihre beiden Kinder, damals 8 und 12 Jahre alt, Flugtickets nach Seattle. „One-way ticket, ohne Rückflug. Das war ganz schön aufregend“, erinnert sich die gebürtige Sauerländerin.

Roadtrip an der US-Küste und die Frage: wo möchten wir leben?

Zwei Monate reisten sie an der Westküste entlang, schauten zum einen, wo es ihnen gefallen könnte, aber vor allem: wo das Ehepaar Arbeit finden konnte. „Das war dann doch schwerer als gedacht mit einem begrenzten Budget herumzureisen, denn ist hier alles wirklich extrem teuer.“ Nach ca. 8 Wochen hatten sie immer noch keine Arbeit. Ein befreundeter Mitauswanderer lud sie nach Florida ein. „Er meinte, dass wir, aus der Toursimusbranche stammend, sicher etwas finden würden.“ Die Familie flog in den „Sunshine State“ – doch für sie war es dort einfach nur schrecklich. „Die Hitze, das Flache dort… das ging gar nicht. Wir waren kurz davor, diese Auswanderung abzubrechen und zurück nach Deutschland zu gehen.“
Fast pleite landete die Familie in Charlotte, North Carolina. Das war im Sommer 2014.
Monique fand endlich Arbeit bei einer deutschen Firma, Sasha fing in dem Callcenter einer amerikanischen Bank an zu arbeiten. „Wir haben echt ganz unten angefangen. All das, was wir in Deutschland gemacht und erreicht haben, zählte hier plötzlich nichts.“ 

Nebenbei fingen sie an, für Firmen Arbeitskräfte nach Amerika zu bekommen. Schnell stellten sie fest, dass gerade deutsche Firmen Schwierigkeiten haben, qualifizierte Arbeitskräfte zu finden und machten sich mit einer Recruiting-Firma selbstständig. Dies lief so gut, dass sie 2016 davon leben konnten und ihre anderen Jobs kündigten.

Fehlendes gutes Brot – und die Geschäftsidee

Wie viele deutsche Auswanderer stellte auch Familie Menesi fest, dass es in Amerika nahezu unmöglich ist, gutes Brot zu finden und so fing Monique aus der Not heraus an, ihr Brot selbst zu backen: „Doch irgendwann wurde mir das zu zeitaufwendig. Das dauert ja auch alles: Sauerteig füttern, Teig stehen lassen,…“ und sie backte immer weniger. Bei einem Heimatbesuch im Sommer 2016 schenkte ihr ihre beste Freundin ein Glas mit einer Brotmischung: „Damit Du mal ein gescheites Brot in den USA hast“. Monique sah das Glas und dachte: „Das ist die Lösung.“ Die Idee zu Breadlovers war geboren.

Zurück in Amerika fing das Ehepaar an, herum zu probieren und überlegte, wie eine „Brotbox“ aussehen könnte. Ihr Ziel war, dass jeder, an jedem Ort gutes Brot backen konnte. Ihre Idee wurde immer konkreter, sodass sie im Sommer 2017 zwei Monate mit ihrem Wohnwagen durch die USA reisten und sich unterwegs an ihren Brotrezepten ausprobierten. Sie backten im Wohnwagen ihre Brote und besuchten Mühlen, testen verschiedene Mehle. Jedes Mal, wenn sie ein neues Rezept für gut befunden hatten, tauften sie es nach dem Ort, an dem sie gerade waren: „Die Rezeptur für die Brotsorte  “Grizzli” haben wir beispielsweise im Yellowstone International Park erfunden.“

Für gutes Brot durch Amerika: Familie Mensi reist im Sommer 2017 durchs Land

Die Auswanderer stellten Ende August 2017 ihre Homepage  online und über Nacht hatten sie tatsächlich ihre erste Bestellung: „Ich glaube, ich hab mich noch nie so sehr über 27 Dollar gefreut“, erinnert sich Monique.
Sie warben mit ihrem Brot  in verschiedene Gruppen im Internet und immer mehr Bestellungen trudelten ein.
„Zu dem Zeitpunkt war das echt noch ziemlich anfängerhaft. Wir hatten zum Beispiel auch noch keine richtigen Verpackungen usw.“. Doch das Paar vertraute auf ihr Credo: „Einfach mal machen.“ 

Umzug nach Portland: Mekka für Start-Ups und Foodies

Während ihrer „Brotback-Reise“ durch die USA kam die Familie unter anderem auch nach Portland, Oregon – und alle vier fühlten sich dort sofort wie zu Hause. „Wir wussten zwar, dass dies für unser Recruitingbusiness schwieriger sein könnte, da an der Westküste viel weniger deutsche Firmen sind, doch für unsere Brot-Idee gibt es wohl keinen besseren Ort, als Portland.“ 

So zog die Familie im Dezember 2017 ganz in die Nähe nach Portland, mieteten dort ein Lager und eine Großküche an, die sie sich mit verschiedenen Start-Up-Unternehmen teilen.

Ihr Mehl kommt von einem Getreidebauern aus Montana, den sie auf ihrer Reise kennengelernt hatten. Andere Zutaten bekommen sie aus Deutschland, unter anderem den getrockneten Sauerteig, den Monique „ihre magic“ in ihrem Brot nennt: „Das ganze Brot, was hier in Amerika angeboten wird ist so schlecht bekömmlich, da diese Zutat komplett fehlt. Sauerteig transformiert das Gluten und die Stärke aus dem Mehl heraus. Nur so bekommst Du all das Gute und Wertvolle aus dem Getreide.
Am Anfang versorgte die Familie aus Deutschland die Brotbäcker mit Sauerteig in Päckchen per Post, inzwischen haben Monique und Sasha einen deutschen Lieferanten gefunden.

Welches Mehl ist das beste für ihr Brot? Sasha im Gespräch mit einem Getreidebauern.

Der größte Kundenstamm ist momentan noch die deutsche Community, doch ihr Ziel ist es vor allem ihre Brote unter die Amerikaner zu bringen. So versuchen sie, ihre Produkte auch im Großhandel anzubieten, denn einen Nachteil hat der Onlineverkauf und Versand in diesem großen Land: die Versandkosten. „Nicht jeder ist bereit, wahnsinnige 17-25 Dollar Versand für sein Brot zu bezahlen.“
Die große Bio-Supermarktkette „Whole Foods“ konnten sie bereits für sich gewinnen – dort wird ihre Ware bald zunächst in 22 lokalen Whole Foods-Märkten angeboten wird. Bei Erfolg wird ihr Sortiment auf weitere Filialen ausgeweitet.

Was ist ihr großes Ziel der „Brot-back-Reise“?

„Ein bundesweites Konzept von kleinen „Breadlovers“-Bäckereien, das Menschen eine Chance gibt eine berufliche Perspektive oder einen Inhalt zu geben. Ich möchte Menschen ermöglichen, sich selbständig zu machen und irgendwann selbst so eine Bäckerei zu besitzen. Wir würden ihnen Starthilfe leisten und geben ihnen unser Wissen weiter.“

Die USA: beste Voraussetzung für Selbstständigkeit

Monique sieht die USA als optimales Land um sich selbstständig zu machen: „Hier geht alles viel schneller. Natürlich gibt es auch viele Prozesse, aber die sind nicht so kompliziert, wie in Deutschland. Bei unserer Idee bräuchte man in Deutschland einen Meister, das brauchst Du hier nicht. Hier kannst Du Brot backen und es einfach machen.“

Amerika sei das Land der vielen Möglichkeiten: „Ich hätte schon wieder fünf neue Ideen, was man machen könnte. Vielleicht liegt es auch daran, dass es hier noch so einen großen Bedarf an Dingen gibt, der noch nicht gedeckt ist?“
Die Menschen in diesem Land hörten schneller zu, seien offener und lassen sich eher begeistern. In Deutschland kenne Monique viele Menschen, die von einer Idee träumen aber nicht wissen, wie sie es anfangen.
Deutschen, die hier in den USA gerade versuchen anzukommen rät die Auswandererin, sich auf all das Neue einzulassen. Zu viele halten an den deutschen Regeln und Strukturen fest und verpassen deshalb vieles: „Lasst los!“

Ihr möchtet mehr über die Brotmischungen erfahren? Schaut mal auf der Website oder auf Instagram von Breadlovers vorbei.

8 thoughts on “But first, bread!”

  1. Hallo Hella, JAAAA – wir haben Bauernbrot das ist unser Grizzly Brot, Roggenbrot das ist unser Eagle Rye, Schwarzbrot das ist unser Bison Power Bread, Dinkel Brot Columbia River Bread und wir haben ein ganz besonders Brot aus Kamut Khorasan Wheat das heisst Missoula Nuts. Schau doch mal auf unsere Website da sind alle Brote genau beschrieben.

  2. Ein tolles Abenteuer! Deinen Rat an andere Auswanderer kann ich aus vollem Herzen bestätigen. „Lasst los!“ Wir leben seit über 20 Jahren in den USA (jetzt in Boston) und genießen die Möglichkeiten die dieses Land bietet jeden Tag.
    Obwohl die Brotsituation hier nicht so schlecht ist, backe ich auch immer wieder meine Lieblingssorten. Ich schau auf jeden Fall Mal auf euer Website vorbei.

  3. Hi Monique,

    durch Zufall hat mich euer Link erreicht und ich habe gespannt den Beitrag gelesen. Ich erinnere mich immer wieder gerne an meinen damaligen US-Trip an der Westküste. Viele beindruckende Momente aber auch einiges was ich in meinen Vorstellungen schöner ausgemalt hatte. Die Geschäftsidee mit dem Brot hatte ich allerdings schon vor euch! 😉 Das einzige, was mich wieder auf Deutschland gefreut hat, war das köstliche Brot! Schon damals dachte ich, dass dies sicherlich ein gutes Projekt sei, um in USA durchzustarten! Leider ist es bei mir nur bei der Idee geblieben. IHR hattet den Mut und habt es umgesetzt! WOW! Congratulations! Ich wünsche euch ganz viel Glück dabei! Allerdings muss ich auch sagen, dass ich mir euer Brot nicht leisten könnte…auch, wenn die Fotos meinen Magen bis in Äußerste treiben! Aber wer weiß, wenn Vince sein Abi in der Tasche hat und ich ungebunden bin…vielleicht leite ich dann in ein paar Jahren eine kleine „Breadlovers“-Bäckerei und darf mal naschen 😉 …da ich ja keine Greencard benötige sollte mir nichts im Wege stehen!

    Chapeau Monique! Und ganz liebe Grüße!
    Andrea

Send a Comment

Your email address will not be published.